Man muss sich ja schon Gedanken machen ĂŒber das Sorgenkind Death Metal. Irgendwie hĂ€ngengeblieben im ewigen WiederkĂ€uen alter Ideen, Technik sehr gut, aber Innovation mangelhaft, ausser in gewissen ausserschulischen Untergrund-Arbeitskreisen ist die Motivation, etwas zum eigenen Vorankommen zu tun, eher gering. Sich an den Ă€lteren MitschĂŒlern zu orientieren, die schon x-Mal die Ehrenrunde gedreht haben seit sie sich auf lĂ€ngst verwelkten Lorbeeren ausruhen, macht eben auch nix besser. Und dann dieser latente Hang zur Gewaltverherrlichung und die Verweigerung, das tiefgestimmte eigene GefĂŒhlsleben abseits von Instinktbefriedigung und aggressiver ImpulsivitĂ€t zu erforschen – wenn das alles so weitergeht, ist die Versetzung aus der Metal-Grundschule stark gefĂ€hrdet. Dabei sah im Kindergarten doch alles noch so vielversprechend aus⊠und nun hat das schwarze Familienschaf Black Metal den Ă€lteren Bruder fast komplett abgehĂ€ngt, was die Zukunftsperspektiven angeht. Sogar die Cousins Melodeath und Deathdoom haben noch die Kurve gekriegt und mittlerweile eine Festanstellung bei Majors, aber der klassische Deathmetal – ein wirklich trauriges Bild⊠lange geht das nicht mehr gut.
Doch es gibt noch Hoffnung. Sie kommt, wie so oft, von weit draussen im All, wo aus grosser Distanz der GesamtĂŒberblick ĂŒber die Welt der Rockmusik und ihre ZusammenhĂ€nge leichter fĂ€llt. Zwei junge Bands, selbst durch…
BEDSORE / MORTAL INCARNATION – Split
- Von Ultra Violet unter Extremmetal, Progressive Metal, Review
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14. Mai 2022
ULTHA & UNRU live
- Von Ultra Violet unter Konzerte, Livereview
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7. Mai 2022
Wisst ihr noch, wie BĂŒhnennebel riecht? Ich hatte das komplett vergessen, und das hat mir nochmal gezeigt, was die vergangenen zwei Jahre im Höhlen-RĂŒckzugsmodus mit mir gemacht haben. Wie viel ich komplett verdrĂ€ngt hatte, was zuvor einen riesigen Teil meines Lebens ausgemacht hat, und eben gerade den, der mir am meisten gibt. Livestreams sind schön und gut, aber eben allermeistens auch nur steriles TV, eine KrĂŒcke, Musikporno.
Sicher, auch ich habe mich drĂŒber gefreut, in all der seltsamen Zeit Bands auf diese Weise ĂŒberhaupt mal zu sehen, aber genau das, was Konzerte so auszeichnet, die Vorfreude, die Gemeinschaft, das Leute treffen und reden, und vor allem die immer wieder neu und anders entstehende Energie zwischen Band und Publikum, das Grummeln der BĂ€sse in den FĂŒssen, das sich auch körperlich in die Musik fallen lassen, die Entdeckungen am Merchtisch und natĂŒrlich auch der Nackenmuskelkater am Tag danach â all das fehlte mehr als schmerzhaft.
Umso besser, dass sich bei der UNRULTHA-Tour nun alle Beteiligten Riesendosen an Nebel einfahren konnten, und natĂŒrlich auch alles andere, was eben so dazugehört. Neun Dates in Deutschland mit kurzen Abstechern nach Holland und Ăsterreich, so kann man seine Osterferien auch verbringen, vor allem wenn man mit Freunden unterwegs ist…
SPRING DUDEFEST 2022 Livebericht
- Von Ultra Violet unter Festivals, Livereview
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2. Mai 2022
Konzert, sogar Festival, wie ging das nochmal? Was muss ich mitnehmen? Der Griff zur Maske ist so fest eingeĂŒbt wie der zum Portemonnaie, aber sonst? Ahso, ja klar, Gehörschutz, es wird ja laut! Laut? Seltsam⊠es war doch so angenehm, wie still die Welt geworden war, und nun freue ich mich auf LĂ€rm? Ja, tu ich! Alles paradox. Was frĂŒher Alltag war, ist nun erstmal ungewohnt.
Ach ja und die Kamera! Ist der Akku ĂŒberhaupt geladen? Bin total aus der Ăbung⊠wozu eigentlich Bilder, soll ich ĂŒberhaupt einen Festivalbericht schreiben, interessiert das heutzutage jemanden? Egal, sehn wir dann, los jetzt!
Alles fĂŒhlt sich noch so âandersâ an, so ungewohnt, zumindest bis man in der Location angekommen ist, einen Stempel auf die Haut gedrĂŒckt bekam und an der Bar das erste GetrĂ€nk geholt hat. Nebenan ist schon Soundcheck, sofort ist die hibbelige Spannung da, wie der Abend wohl wird, man geht automatisch zu den Merchtischen und schaut sich um, wer noch so alles da ist. Und dann startet die erste Band, und plötzlich ist doch alles wie immer…
SATYRICON & MUNCH
- Von Ultra Violet unter Bright Ideas, Dark Arts, Exhibitions, Suggestions
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27. April 2022
…wenn Black Metal auf bildende Kunst trifft
âIch ging spazieren mit zwei Freunden. Da sank die Sonne. Auf einmal ward der Himmel rot wie Blut, und ich fĂŒhlte einen Hauch von Wehmut. … Meine Freunde gingen weiter, und ich stand allein, bebend vor Angst. Mir war, als ginge ein mĂ€chtiges, unendliches Geschrei durch die Natur.âÂ
(Edvard Munch 1891 ĂŒber ‚Der Schrei‘)
Habt ihr Musik schon einmal gesehen? Sie nicht nur gehört, sondern gleichzeitig auch Bilder davon vor eurem inneren Auge gehabt? Nicht nur echte Synaesthetiker, also Menschen, die beispielsweise Töne gleichzeitig als verschiedene Farben oder GeschmĂ€cker wahrnehmen, kennen solche automatischen Verbindungen unterschiedlicher Sinnesreize; auch ohne diese spezielle FĂ€higkeit ordnen wir EindrĂŒcke verschiedenen Empfindungen zu, erleben Farben als âkaltâ oder âwarmâ, KlĂ€nge als âgrellâ oder âweichâ, LaustĂ€rken als âbedrohlichâ oder âgeheimnisvollââŠ
Um einen umfassenden Eindruck von etwas zu bekommen, setzen wir also mehrere Sinne gleichzeitig ein, jeder Waldspaziergang wird so zum Bad in Sinnesreizen, es gibt zu sehen, riechen, hören und fĂŒhlen, und wir kommen nicht nur wegen der guten Luft erfrischt nach Hause, sondern weil auch unsere Seele berĂŒhrt wurde. Kunst wirkt auf dieselbe Weise…
RUMOURS – The Lower We Sink, The Less We Care
- Von Ultra Violet unter Metal, was sonst?, Review
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20. April 2022
Mit der wieder anlaufenden Tourmaschinerie wĂ€chst auch die Lust auf bier- und schweissgetrĂ€nkte Gigs in kleinen, dunklen Clubs, bei denen man einfach nur abfeiern und die versinkende Welt fĂŒr einen Abend vergessen kann. DafĂŒr ist dreckiger, straighter Rock, zu dem sich genauso die FĂ€uste recken, mitschreien wie rhythmisch arschwackeln lĂ€sst, bestens geeignet, und so haben sich RUMOURS tatsĂ€chlich den perfekten Zeitpunkt fĂŒr ihr AlbumdebĂŒt ausgesucht, das Livevibes quasi als Sonderausstattung schon eingebaut hat.
Benannt nach FLEETWOOD MACs Zeitenwendealbum und entstanden aus dem sĂ€chsischen DEATHRITE/PURGATORY/BLACK SALVATION-Umfeld, widmet sich das mit drei (âŠyou know!) Gitarristen auflaufende Sextett einer todesdĂŒsteren, aber gleichzeitig quicklebendigen Heavy RockânâRoll-Variante, die ich zuerst eher in Stockholm als in Dresden verortet hĂ€tte dank des TRIBULATION-Gothic-lastigen Openers âThe Impetuous Glory Of Terrorâ und natĂŒrlich ihres verspielten, genauso verhallten wie warmen Sounds, den ihnen tatsĂ€chlich Martin âKonieâ Ehrenkrona in Stockholms Studio Cobra verpasst hat, der sich jedoch grundsĂ€tzlich aus Inspiration, SelbstverstĂ€ndnis und den sich daraus entwickelnden Arrangements der Band ergibt. Denn hier geht es um deutlich mehr als ein paar Deathmetaller, die auch mal ein anders gestimmtes Vintage-Instrument in die Hand nehmen wollten, sondern um die Hinwendung an…
CHURCH OF THE SEA â Odalisque
- Von Ultra Violet unter Doom Metal, Review
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18. April 2022
GegensĂ€tze machen Kunst spannend, und das gilt genauso fĂŒr Musik â Stil-Crossover und die Kombination unerwarteter Elemente öffnen TĂŒren zu neuen auditiven Erfahrungen. Ein immer populĂ€rer werdendes Beispiel aus dem Doom-Dunstkreis sind Ă€therische Stimmen und Stimmungen ĂŒber repetitiven Drones und langsamen, schweren Riffs, wie wir sie beispielsweise von (DOLCH), FRAYLE, KING WOMAN, LIĆITH, den beiden Wölfinnen oder auch E-L-R kennen. Doomgaze kann man das nennen, wenn eine schwebende, shoegazige AtmosphĂ€re mit stark verzerrten SoundwĂ€llen in Austausch geht, und CHURCH OF THE SEA fĂŒgen diesem Konzept noch einen kĂŒhlen Darkwave-Touch hinzu, der ihnen weitere Hörerkreise erschliesst.
Das Trio aus Athen erschafft eine sehr elegante Musik, gerade auch durch das schleppende Tempo, das nur selten GeschwindigkeitsausbrĂŒche erlaubt und die starken Kontraste, mit denen sie arbeiten. Vangelisâ mĂ€andernden, schweren Riffs und melodischen LeadausflĂŒgen steht Irinis Stimme mehr als gleichwertig gegenĂŒber, und das Dreieck wird durch Alexâ Drum- und sonstige Synths geschlossen. Und da gibt es noch mysteriöse, wie mit HĂ€mmern geschlagene oder Bögen gestrichene, metallisch kalt klingende spezielle Instrumente wie gerissene Klaviersaiten und Becken, die eine gute Portion noisigen Industrialtouch dazugeben, und den einzigartigen CHURCH OF THE SEA-Sound…
Many happy DUDEFEST returns in 2022!
- Von Ultra Violet unter Bright Ideas, Suggestions
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13. April 2022
Eine feste Institution im und nicht nur fĂŒr den SĂŒdwesten waren bis vor big C die beiden Dudefest-Wochenenden im FrĂŒhjahr und zu Halloween im jubez Karlsruhe. Hier treffen sich Fans diverser hĂ€rterer Stilarten, die ihre Tentakel teils auch weit unter dem generell sehr ausladenden âDoomâ-Schirm hervorstrecken, sei es in die Post-Genres, zum Black Metal, Punk und Noise oder zurĂŒck in die psychedelischen Jahrzehnte des letzten Jahrtausends â alle fĂŒhlen sich wohl unter den anderen aufgeschlossenen Dudes und Dudettes.
So soll es auch 2022 endlich wieder werden, und da etliche Touren verschoben wurden gibt es diesmal eine ĂŒbers ganze Jahr verteilte Armada an Terminen, zu denen es sich lohnt in der FĂ€cherstadt vorbeizuschauen.
Los gehtâs am 23.04.2022 mit dem SPRING DUDEFEST 1 und zwei sĂŒdeuropĂ€ischen Bands des Retro-Labels mit dem selbsterklĂ€renden Namen, Heavy Psych Sounds: ACID MAMMOTH aus Griechenland und 1782 aus Sardinien, verstĂ€rkt werden sie durch die Noise neu defierenden NYOS aus Finnland. Wer sich nicht mehr daran erinnert, was Zerrpedal und Loop tun â hier gibtâs Nachhilfe…
UNRULTHA Tour 2022
- Von Ultra Violet unter Bright Ideas, Suggestions
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10. April 2022
Kommenden Freitag startet in Berlin fĂŒr alle, die noch einen viel zu lang ungenutzten Vorrat an Schmerzsalbe fĂŒr die Nackenmuskeln daheim haben, die perfekte Tour, um wieder besser in Form zu kommen: UNRULTHA!
Endlich wieder moderner Black Metal & dessen Genregeschwister live, und so abwechslungsreich und vielschichtig wie nur möglich – atmosphĂ€risch, geblastet, dissonant, episch, mit Punk- und Post-Punk-Vibes von zwei der schweiĂtreibendsten und tiefe, wilde Trance erzeugenden Formationen hierzulande. Diese Kombination ist nicht nur durch personelle Verflechtungen so naheliegend und bewĂ€hrt, vor allem speist sie sich aus ganz Ă€hnlichen Energien, und das ĂŒbertrĂ€gt sich natĂŒrlich auch aufs Publikum. Seid gefasst auf einen dĂŒsteren, emotionalen und vor allem sehr, sehr intensiven Abend.
Beide Bands haben brandneue Alben mit besten AOTY-Chancen im GepĂ€ck, UNRU das vielsagende ‚Die Wiederkehr des VerdrĂ€ngten‘ und ULTHA nach zwei Jahren selbstgewĂ€hlter Pause den meisterhaften Abschluss ihrer Trilogie, die sich von âConverging Sinsâ ĂŒber âThe Inextricable Wanderingâ zu ‚All That Has Never Been True‘ (zum Review gehts hier) spannt, womit auszugehen ist, dass auch der eine oder andere neue Song zu hören sein wird. Zudem gibts als Zugabe in manchen StĂ€dten…
ULTHA – All That Has Never Been True
- Von Ultra Violet unter Extremmetal, Review
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9. April 2022
ULTHA, das ist entweder ganz oder gar nicht. Als ich 2018 ihrem drittem Album âThe Inextricable Wanderingâ die beiden Möglichkeiten zusprach, es entweder nebenbei zur Unterhaltung und Ablenkung hören zu können oder sich seelisch komplett darauf einzulassen, sich dieser Musik förmlich auszuliefern, habe ich, retrospektiv gesehen, sowohl die weitere Entwicklung der Band als auch die grundsĂ€tzliche emotionale Wirkung ihrer Musik unterschĂ€tzt. SpĂ€testens âBelongâ hat dann gezeigt, dass es bei den Kölnern nur zwei Alternativen gibt: sich völlig öffnen und erleben, was diese so intensive, hochemotionale Musik mit einem macht, das kann herausfordernd sein, heilsam, sogar kathartisch, oder eben absolut nichts damit anfangen können – nein, viel eher: das gar nicht wollen, ihre Wirkung abblocken, weil einem das Unbewusste davon tunlichst abrĂ€t, sich mit unangenehmen Erinnerungen und lange verdrĂ€ngten Erfahrungen zu konfrontieren. Denn die kommen zurĂŒck, ob man will oder nicht, durch sie spricht unsere dunkle Seite, die wir gerne ĂŒbersehen, zu der es manche von uns jedoch regelrecht hinzieht. Und Musik kann der wundertĂ€tige SchlĂŒssel dazu sein Dinge zu be- und verarbeiten, fĂŒr die man keine Worte findet, auch Bandkopf Ralph Schmidt hat dies in vielen Interviews bestĂ€tigt…
ROCK FOSSILS on Tour
- Von Ultra Violet unter Bright Ideas, Dark Arts, Exhibitions, Suggestions
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5. April 2022
Was passiert, wenn sich begeisterte PalĂ€ontologen, die alle selbst absolute Metalheads sind, mit ebensolchen Museumskuratoren und Designern zusammentun? Sie entwickeln eine Wanderausstellung aus Fossilienmodellen, die allesamt nach Metalmusikern und Lieblingsbands benannt sind, und schicken sie auf Tour durch Europa – Metalfestivals wie das Copenhell oder Sweden Rock inklusive. Jetzt kommen die ROCK FOSSILS ins Senckenberg Museum Frankfurt!
Alles begann damit, dass Prof. Mats Eriksson, ein schwedischer PalĂ€ontologe, einem bisher unbekannten, ĂŒber 400 Millionen Jahre alten marinen Borstenwurm den Namen âKingnites diamondiâ verpasste, und ebenfalls metallaffine Fachkollegen das mitbekamen. Es ist unter Fossilienforschern nicht ungewöhnlich, neu entdeckte uralte Lebensformen…
