Schlagwort: Dark Rock

DOOL im 7er Club Mannheim

Nachdem sie ihre „Summerland-Tour“ mehrfach verschieben mussten, packen DOOL nun soviele Clubdates zwischen ihre Festivalauftritte wie nur möglich, und gaben auf der Rückfahrt vom In Flammen-Open Air auch dem Mannheimer 7er Club die Ehre. Wie es aktuell eben so ist und typisch für Sonntagabende, konnte im Publikum soviel Abstand gehalten werden wie man eben mag – zumindest weiter hinten, es hätten sich ruhig noch ein paar Nasen mehr auf den Weg machen können. Doch der Stimmung tat dies keinerlei Abbruch, direkt vor der Bühne gab’s Konzertfeeling wie gewohnt, und mal ehrlich: wann kommt man heutzutage noch so nah ran an die Bands? Ein grossartiger Abend konnte beginnen…

…der natürlich den Schwerpunkt auf den deutlich nachdenklicheren Zweitling legte und im Handumdrehen bewies, dass bei DOOL jeder Song in der Liveversion einfach explodiert, zu sehr ist die Band mit ihrer Musik eins und geht völlig in ihr auf, zu stark ist der Sog der Songs, der nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Musiker selbst gefangennimmt. Sie steigen ein mit ‚Wolf Moon’ und drehen sofort voll auf, ziehen die Geschwindigkeit wie live üblich deutlich an und erhöhen die Intensität mit jedem Stück aufs Neue…

RUMOURS – The Lower We Sink, The Less We Care

Mit der wieder anlaufenden Tourmaschinerie wächst auch die Lust auf bier- und schweissgetränkte Gigs in kleinen, dunklen Clubs, bei denen man einfach nur abfeiern und die versinkende Welt für einen Abend vergessen kann. Dafür ist dreckiger, straighter Rock, zu dem sich genauso die Fäuste recken, mitschreien wie rhythmisch arschwackeln lässt, bestens geeignet, und so haben sich RUMOURS tatsächlich den perfekten Zeitpunkt für ihr Albumdebüt ausgesucht, das Livevibes quasi als Sonderausstattung schon eingebaut hat.

Benannt nach FLEETWOOD MACs Zeitenwendealbum und entstanden aus dem sächsischen DEATHRITE/PURGATORY/BLACK SALVATION-Umfeld, widmet sich das mit drei (…you know!) Gitarristen auflaufende Sextett einer todesdüsteren, aber gleichzeitig quicklebendigen Heavy Rock’n’Roll-Variante, die ich zuerst eher in Stockholm als in Dresden verortet hätte dank des TRIBULATION-Gothic-lastigen Openers ‚The Impetuous Glory Of Terror’ und natürlich ihres verspielten, genauso verhallten wie warmen Sounds, den ihnen tatsächlich Martin „Konie“ Ehrenkrona in Stockholms Studio Cobra verpasst hat, der sich jedoch grundsätzlich aus Inspiration, Selbstverständnis und den sich daraus entwickelnden Arrangements der Band ergibt. Denn hier geht es um deutlich mehr als ein paar Deathmetaller, die auch mal ein anders gestimmtes Vintage-Instrument in die Hand nehmen wollten, sondern um die Hinwendung an…

CHURCH OF THE SEA – Odalisque

Gegensätze machen Kunst spannend, und das gilt genauso für Musik – Stil-Crossover und die Kombination unerwarteter Elemente öffnen Türen zu neuen auditiven Erfahrungen. Ein immer populärer werdendes Beispiel aus dem Doom-Dunstkreis sind ätherische Stimmen und Stimmungen über repetitiven Drones und langsamen, schweren Riffs, wie wir sie beispielsweise von (DOLCH), FRAYLE, KING WOMAN, LIŁITH, den beiden Wölfinnen oder auch E-L-R kennen. Doomgaze kann man das nennen, wenn eine schwebende, shoegazige Atmosphäre mit stark verzerrten Soundwällen in Austausch geht, und CHURCH OF THE SEA fügen diesem Konzept noch einen kühlen Darkwave-Touch hinzu, der ihnen weitere Hörerkreise erschliesst.

Das Trio aus Athen erschafft eine sehr elegante Musik, gerade auch durch das schleppende Tempo, das nur selten Geschwindigkeitsausbrüche erlaubt und die starken Kontraste, mit denen sie arbeiten. Vangelis’ mäandernden, schweren Riffs und melodischen Leadausflügen steht Irinis Stimme mehr als gleichwertig gegenüber, und das Dreieck wird durch Alex’ Drum- und sonstige Synths geschlossen. Und da gibt es noch mysteriöse, wie mit Hämmern geschlagene oder Bögen gestrichene, metallisch kalt klingende spezielle Instrumente wie gerissene Klaviersaiten und Becken, die eine gute Portion noisigen Industrialtouch dazugeben, und den einzigartigen CHURCH OF THE SEA-Sound…