Sie beginnt mit einer verstörenden Kakophonie aus verzerrten Stimmen und KrĂ€henkrĂ€chzen, nur um sofort darauf in eine auf wunderschönste Art perlende akustische Gitarrenmelodie zu mĂŒnden und bald das gesamte Trio miteinzubeziehen in das wohl spannendste Intro des Jahres, das der zweiten Veröffentlichung von SPEGLAS namens âTime, Futility & Deathâ. Sieben lange Jahre erwartet, wie schon âBirth, Dreams & Deathâ leider nur eine EP, aber wiederum: was fĂŒr eine!
Man könnte den Stil âStockholmer Schuleâ nennen â stets hochkreativ und unvorhersehbar, aber immer melodiebasiert und verspielt balancierend auf der Grenze zwischen Death Metal, explorierendem, psychedelisch angehauchtem Progessiv-Rock und immer wieder epischen Gitarrenmomenten des klassischen Heavy Metal. Die wichtigste Zutat fehlt jedoch noch in dieser AufzĂ€hlung. Was im Black Metal seit jeher vollkommen normal ist, wird dem Death Metal noch immer viel zu selten zugestanden: AtmosphĂ€re als tragendes kĂŒnstlerisches Stilmittel zu verwenden. âProgressivâ heisst dann meist ultraschnelles Geshredde im TechDeath und âMelodieâ singende Twingitarren im MeloDeath, ebenfalls mit sehr viel Drive, doch dass Death Metal auch wunderbar in Zeitlupe funktionieren kann, entdecken Bands des Genres so richtig erst seit dem vergangenen Jahrzehnt wieder…
SPEGLAS – Time, Futility & Death (EP)
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20. November 2022
BLUT AUS NORD – Lovecraftian Echoes
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14. November 2022
Erst im Mai beglĂŒckte Vindsval uns mit dem letzten BLUT AUS NORD-Album zum Thema der Grossen Alten, âDisharmonium â Undreamable Abyssesâ, da kommt kein halbes Jahr spĂ€ter schon dessen Widerhall auf den Markt? Nein, so einfach ist es in mehrfacher Hinsicht nicht. Die âLovecraftian Echoesâ entstanden zwar in einem Ă€hnlichen Zeitraum wie die letzte LP und bewegen sich ebenfalls im Kosmos des amerikanischen phantastischen Autors, haben jedoch eine völlig andere Ausrichtung, Zielsetzung und vor allem einen komplett anderen Hintergrund.
Die sechs StĂŒcke sind nĂ€mlich allesamt schon einmal, und zwar einzeln, veröffentlicht worden, waren seinerzeit jedoch nur einem kleinen Kreis von BAN-Verehrern zugĂ€nglich, die gegen einen gewissen Obolus zwei Jahre lang, von Anfang 2020 bis 2022, Mitglieder des âOrder of Outer Soundsâ (oder OoOS), einer exklusiven, von Debemur Morti Productions ins Leben gerufenen Fan- und Forumsgemeinschaft waren. Daher handelt es sich bei den ââŠEchoesâ auch um eine Compilation, und kein vollwertiges, neues BAN-Album, die nagelneue projekteigene Facebook-Seite âThe Lovecraftian Echoes“ lĂ€sst jedoch weitere zukĂŒnftige AktivitĂ€ten innerhalb eines eigenen Spin-Offs erwarten…
FRAYLE – Skin & Sorrow
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6. November 2022
Vorgestern vor einem Jahr durfte ich sie live in Stuttgart erleben, und nun sind sie schon wieder mit ihren zwei Livemitstreitern auf Euro-Tour,, das Clevelander Duo FRAYLE, und haben dazu ihren zweiten Langspieler âSkin & Sorrowâ mitgebracht. Wer die 2017 gegrĂŒndete Band nicht ĂŒber ihre EPs kannte, wurde spĂ€testens 2020 von â1692â gefangengenommen, ihrem Konzeptalbum ĂŒber die Hexenprozesse von Salem.
Es folgten intensive TouraktivitĂ€ten, erst letztes Jahr auch hierzulande, und die Fangemeinde wuchs stetig, sprechen FRAYLE doch vielerlei Publikum an: Sludger & Stoner, Gothics, Ambientfreaks genauso wie Triphopper und einfach aufgeschlossene Metalfans. Ihr Erfolgsrezept, stark aufs einzelne, stetig wiederholte Riff und seine Wirkung reduzierten Sludge mit Ă€therischem Gesang Ă la BJĂRK zu kombinieren, schuf sich selbst eine bisher ungehörte, doch höchst reizvolle Nische im weiten Feld des Doom, die unermĂŒdlich starke, bisher nicht miteinander zu verbindende Kontraste ausleuchtet, verwebt und intensiviert, um ihre Einzigartigkeit noch stĂ€rker zu betonen. Besonders der Gegensatz von Gwyn Strangs geisterhaft flĂŒsternd-gehauchter, zwischen kindlicher Unschuld und dem sĂŒssen Gift reifer Tollkirschen wechselnder Stimme auf der einen, und Sean Biloveckys supertiefen monolithischen Riffs auf der anderen Seite erschafft einen unheimlichen und hypnotischen Trademarksound, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt…
SONJA – Loud Arriver
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23. Oktober 2022
Die meisten Menschen leben bis zum Tod mit dem Namen, der ihnen von ihren Eltern gegeben wurde, doch immer mehr wĂ€hlen irgendwann passend zu ihrer wahren IdentitĂ€t einen, der das ausdrĂŒckt, wer sie wirklich sind. Melissa Moores Vorname ist natĂŒrlich viel mehr als nur eine Reminiszenz an das epochale MERCYFUL FATE-DebĂŒt und Ausdruck ihres durch und durch vom Heavy Metal geprĂ€gten Lebens, sagt jedoch auch sehr viel ĂŒber ihre Persönlichkeit aus. Dasselbe tut âLoud Arriverâ, ein DebĂŒt, das man so von drei bisher fest im extremen US-Black/Thrash/Death Metal verwurzelten MusikerInnen nicht erwartet hĂ€tte.
Dreh- und Angelpunkt bei SONJA ist Melissa Moore, ebenso aktiv als Donna Violence bei den blasphemischen CROSSSPITTER, bei den Thrashern RUMPELSTILTSKIN GRINDER und einem grösseren Publikum bisher vor allem bekannt als Vis Crom, langjĂ€hriger Gitarrist und Songwriter bei ABSU. Es war fast unmöglich, das erbĂ€rmliche Schmierentheater um Moores Rauswurf von den texanischen Occult-Blackthrashern zu ignorieren, nach ihrem öffentlichen Einsatz gegen die 2018 von den Republikanern unter Trump geplante extrem restriktive Gender-Gesetzesnovelle, die die gesellschaftliche Stimmung gegenĂŒber Transgendern in den USA noch aggressiver als bisher…
GOTT – To Hell To Zion (EP)
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16. Oktober 2022
Der Tod, so schmerzhaft er auch ist, ist Teil des Lebens und seines ewigen Zirkels von Werden und Vergehen. Als Michiel Eikenaar am 12. April 2019, mitten wĂ€hrend des Roadburn Festivals, nur zweiundvierzigjĂ€hrig seinem Krebsleiden erlag, war auch die NiederlĂ€ndische (Black) Metal-Szene tief erschĂŒttert. Seine ehemalige Band DODECAHEDRON, das NL-BM-Allstar-MAALSTROM-Projekt und auch MOLASSES widmeten dem Tilburger ihre dortigen Auftritte, aber der Verlust des charismatischen, beliebten und umtriebigen Frontmannes hinterliess eine riesige LĂŒcke, fĂŒr viele seiner Freunde eine tiefe Wunde, die nur schwer verheilt.
Angesichts eines solchen Todes stellen Menschen seit Urzeiten die Frage nach der Existenz Gottes, und Dave van Beek (GGU:LL, ex- DODECAHEDRON), einer von Michiels engen Freunden, nahm dessen Tod und auch die Zeit der Pandemie zum Anlass, ein eigenes Gartenstudio namens âThe House Of Doomâ zu bauen sowie eine neue Band fĂŒr Kompositionen, die nicht in seine anderen Kapellen passten, zu grĂŒnden, um zusammen diesen grossen Verlust zu verarbeiten. Die Single âAxiom VIâ war im Sommer 2019 das erste Lebenszeichen von GOTT, ein ergreifendes Lied ĂŒber den Tod und vor allem, wie das gesamte Bandschaffen, eine Hommage an Eikenaar. Nun kommt ihre erste EP âTo Hell To Zionâ, auch auf Vinyl…
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PANZERFAUST – The Suns of Perdition, Chapter III: The Astral Drain
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3. September 2022
Donât judge a book by itâs cover â und lass dich nie mehr von einem unappetitlich martialischen deutschen Bandnamen bei fremdsprachigen Bands abschrecken! Dass ich um PANZERFAUST bisher einen grossen Bogen gemacht habe, reut mich nun, denn das vorliegende Album lief mir vom ersten Spin an extrem gut rein, und da es sich um den dritten Teil einer Tetralogie handelt, musste ich natĂŒrlich nachsitzen und mir zumindest die beiden VorgĂ€nger draufschaffen. Selbst schuld! Oder eher â zum GlĂŒck noch rechtzeitig begriffen?
Die ersten beiden Teile, âThe Suns of Perdition: Chapter I – War, Horrid Warâ und âChapter II: Render Unto Edenâ, unterscheiden sich so stark voneinander wie vom nun vorliegenden dritten Teil, der mir persönlich am meisten entgegenkommt â hĂ€tte ich mit dem themenentsprechend extrem brutalen und zwischen Bösartigkeit, Aggression, Verzweiflung und Qual pendelnden âWar, Horrid Warâ begonnen, wer weiss, ob ich am Ball geblieben wĂ€re. Krieg und alle seine Werkzeuge und Schrecken werden hier so dermassen drastisch vertont und verarbeitet, dass entsprechend harte Kost dabei herauskommt. PANZERFAUST haben verschiedene Kriegsszenarien der Neuzeit herangezogen, besonders…
IMPERIAL TRIUMPHANT & PI live in StraĂburg
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1. September 2022
Ein heisser Hochsommertag in StraĂburg, das Zentrum zwischen Kathedrale und La Petite France platzt fast vor lauter Touristen, und auch eine kleine Reisegruppe aus New York City ist fĂŒr einen Abend hier, um die eigene Megacity auf ihre Art zu besingen â mit den Mitteln von Black und Death Metal sowie einem guten Schuss Jazz. IMPERIAL TRIUMPHANT sind auf grosser âMother Of Greedâ-Europatour mit insgesamt 27 Auftritten auf diversen Festivals und in mittelgrossen Clubs. Noch sind sie bei uns nur Insidern bekannt, doch ihr aktuelles und fĂŒnftes Album âSpirit Of Ecstasyâ sollte das nun schnell Ă€ndern, es wird auf jeden Fall in diversen Jahresendlisten zu finden sein.
Doch zuerst will der Weg ins erst vor zwei Jahren neu eröffnete La Maison Bleue im SĂŒden der Stadt gefunden werden, und so kommt es, dass ich von PI, die sehr pĂŒnktlich gestartet sind, nur noch den Rest des Auftrittes zu hören bekomme. Das multinationale Trio hat sich 2015 hier in StraĂburg gegrĂŒndet und besteht aus dem Mexikaner Guillermo GonzĂĄlez an der Neunsaitigen, Guido Pedicone aus Argentinien am fretless Bass sowie Lokalmatador Ludovic Muller am Schlagzeug. Die drei haben sich einen sehr technischen, instrumentalen und in Richtung Death Metal gewichteten Progmetal auf die Fahnen geschrieben, den sie sehr selbstversunken ihrem Publikum, das ganz offensichtlich gut mit ihrem 2019er DebĂŒt âTransmutation Circlesâ vertraut ist, prĂ€sentieren…
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EXANIMATVM – Sollvm Ipsa Mor
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28. August 2022
Ob Punta Arenas, die sĂŒdlichste Stadt der Welt, ganz unten an der Spitze des Kontinents im windgepeitschten, eisigen und kargen subantarktischen SĂŒden Chiles gelegen, durch das riesige Eisschild abgeschnitten und isoliert vom Rest des Landes, nĂ€her an Râlyeh liegt als irgendein anderer Ort der Welt? Lauscht man EXANIMATVM, so drĂ€ngt sich dieser Gedanke schnell auf, zumal wenn man wie ich ein Jahr lang dort an der Magellanstrasse gelebt hat und die Gegend daher kennt. Zumindest ist die berĂŒchtigte Isla Dawson nicht weit entfernt, genutzt als GefĂ€ngnisinsel zuerst fĂŒr die Ausrottung der Ureinwohner und spĂ€ter im Pinochet-Regime als Folter- und Konzentrationslager fĂŒr Oppositionelle. Ein rauher, unwirtlicher, karger und kaum besiedelter Fleck Erde in grandioser, wunderschöner Natur, dem lange ĂŒbel mitgespielt wurde, bevor er als Touristendestination in unmittelbarer Nachbarschaft zu Feuerland, Kap Hoorn und dem Torres del Paine-Nationalpark sowie als Hafen fĂŒr Antarktiskreuzfahrten Aufwind bekam.
Die Winter sind lang, dunkel und kalt, Tier und Mensch mĂŒssen sich der rauhen Natur anpassen, um zu ĂŒberleben. Diese Einsamkeit, das auf sich selbst gestellt und ausgeliefert sein an die Elemente findet sich im Death Metal EXANIMATVMs stets wieder, der von dĂŒsterster AtmosphĂ€re nur so strotzt. âSollvm Ipsa Morâ ist die zweite full length des 2013…
AMENRA & WIEGEDOOD live
- Von Ultra Violet unter Konzerte, Livereview
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26. August 2022
Bands der Church Of Ra sind per (Selbst-)Definition emotional extrem intensiv, und fĂŒr ihre Liveauftritte gilt dies nochmals mehr. Und wenn gleich zwei der flĂ€mischen Formationen, die sowieso untereinander vielerlei personelle Ăberschneidungen haben und ein gemeinsames kĂŒnstlerisches Ethos teilen, zusammen auftreten, sind GĂ€nsehaut und Katharsis garantiert, egal welcher Stilart innerhalb des Kollektivs man selbst mehr zugeneigt ist. Heute in Karlsruhe sind es die minimalistischen Blackmetaller WIEGEDOOD sowie der C.O.R.-Nukleus AMENRA mit seiner hochĂ€sthetischen Postrock-Variante, die diesen Abend zu einem ganzheitlichen, Körper und Seele reinigenden Ereignis machen werden.
Beide Bands haben mit ihren jeweils letzten Alben Konzeptreihen abgeschlossen, auf WIEGEDOODs die âDe Doden Hebben Het Goedâ-Trilogie folgte Anfang diesen Jahres die extrem heftige âThereâs Always Blood At The End Of The Roadâ, AMENRA hatten im Jahr zuvor nach sechs âMassâ-Kapiteln âDe Doornâ vorgelegt. Da bietet es sich an zu touren, doch es steht noch viel mehr dahinter: nach den vergangenen Jahren und all dem, was auf die Pandemie folgte oder in ihrem Windschatten sichtbar wurde, brauchen alle, wirklich alle Beteiligten, also Musiker, Crew, Veranstalter wie Fans endlich wieder tiefe Erlebnisse, gemeinsame Stunden, in denen wechselseitig die Akkus zumindest fĂŒr eine Weile…
DOOL im 7er Club Mannheim
- Von Ultra Violet unter Konzerte, Livereview
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12. Juli 2022
Nachdem sie ihre âSummerland-Tourâ mehrfach verschieben mussten, packen DOOL nun soviele Clubdates zwischen ihre Festivalauftritte wie nur möglich, und gaben auf der RĂŒckfahrt vom In Flammen-Open Air auch dem Mannheimer 7er Club die Ehre. Wie es aktuell eben so ist und typisch fĂŒr Sonntagabende, konnte im Publikum soviel Abstand gehalten werden wie man eben mag â zumindest weiter hinten, es hĂ€tten sich ruhig noch ein paar Nasen mehr auf den Weg machen können. Doch der Stimmung tat dies keinerlei Abbruch, direkt vor der BĂŒhne gabâs Konzertfeeling wie gewohnt, und mal ehrlich: wann kommt man heutzutage noch so nah ran an die Bands? Ein grossartiger Abend konnte beginnenâŠ
âŠder natĂŒrlich den Schwerpunkt auf den deutlich nachdenklicheren Zweitling legte und im Handumdrehen bewies, dass bei DOOL jeder Song in der Liveversion einfach explodiert, zu sehr ist die Band mit ihrer Musik eins und geht völlig in ihr auf, zu stark ist der Sog der Songs, der nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Musiker selbst gefangennimmt. Sie steigen ein mit âWolf Moonâ und drehen sofort voll auf, ziehen die Geschwindigkeit wie live ĂŒblich deutlich an und erhöhen die IntensitĂ€t mit jedem StĂŒck aufs Neue…