Schlagwort: Linus Klausenitzer

ALKALOID und PROFANITY live!

Früher war nicht alles besser. Jegliche Existenzen in den hinlänglich bekannten Universen sind schon seit Aeonen nur zufällige, für ungewiss kurze Zeit einigermassen stabile Produkte unvorhersehbarer Quantensprünge in zum Zerreissen gespannten Raum-Zeit-Kontinuen, und damit quasi schon zu Ende bevor sie begonnen haben. Doch das fühlt sich für ein egoman-schlichtes Gehirn, wie es den fiebernden Erdball zu Milliarden bewohnt und quält, natürlich ganz anders an. Kaum hat sich das Jahresrad wieder zu drehen begonnen, treiben uns die apokalyptischen Nachrichten aus allen Himmelsrichtungen tiefste Sorgenfalten in die noch vom Weihnachtsbraten aufgepolsterten Stirnen – wie soll das bloss alles weitergehen? Gar nicht, zumindest nicht mehr lange gut, graben wir uns doch seit Jahrtausenden unser eigenes schwarzes Loch…

Was also tun? Sich willenlos in Selbstmitleid ertränken? Nein, die einzige Lösung an einem nasskalten Winterabend Anfang Januar ist da ein Besuch eines der drei Konzerte der winterlichen Kurztour der phantastischen, morbid-dissonanten Klangzauberer von ALKALOID, natürlich bestenfalls schon des ersten Termins in Karlsruhe, „dieser wunderbaren Stadt der Musik“, wie Morean später feststellen soll. Und so warten bereits pünktlich vor dem heute-Journal diverse dunkel gekleidete Gestalten brav auf der frostignassen Strasse vor der „Stadtmitte“ auf Einlass, voller Hoffnung auf zumindest zeitweise mentale Erlösung von all dem Shit…

LINUS KLAUSENITZER – Tulpa

Wer mich kennt weiss: der Bass ist für mich das wichtigste und daher auch mein liebstes Instrument in der Rockmusik, und somit sind es logischerweise auch vor allem die BassistInnen, die ich am meisten schätze – ganz in Gegensatz zur landläufigen Meinung über die Virtuosen an den dicken Saiten. Und auch hier höre ich vor allem diejenigen sofort aus einem unbekannten neuen Stück Musik heraus, die einen ganz eigenen und individuellen Stil und Sound pflegen, technisch herausstechen aus der Masse und damit völlig neue Impulse für ihre Bands und Genres geben.

Linus Klausenitzer, einer der mittlerweile gereiften Extremmetalhead-Musikstudenten der Regensburg-Landshut-München-Achse, aus der seit Beginn der 2000er so grossartige Prog/Teach-Death und -Blackmetal-Formationen wie NONEUCLID, OBSCURA, ALKALOID und DARK FORTRESS hervorgingen, gehört ganz vorne mit zu diesen Musikern. Egal mit wem er spielt, er setzt stets Akzente, die auffallen und formt souverän und technisch herausragend die Basis komplexer Songs mit und brilliert mit geilen Soli, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Hinzu kommt dass er meist fretless spielt, und hat gerade damit einen wunderbar warmen, vollen und trotzdem metal as fuck direkten Sound entwickelt, der geradezu ins Ohr hineinschmilzt, wenn er sich nicht gerade stählern hineinfrisst – doch dazu später…