ALKALOID und PROFANITY live!

  • Wann? 09.01.2026

  • Wo? Die Stadtmitte Karlsruhe

  • Was? Start der dreitägigen, winterlichen Minitour der bayrischen Schwermetallwissenschaftler

Stil: Völlig von Genreeinordnungen losgelöster Extremmetal auf Welle-Teilchen-Niveau

Früher war nicht alles besser. Jegliche Existenzen in den hinlänglich bekannten Universen sind schon seit Aeonen nur zufällige, für ungewiss kurze Zeit einigermassen stabile Produkte unvorhersehbarer Quantensprünge in zum Zerreissen gespannten Raum-Zeit-Kontinuen, und damit quasi schon zu Ende bevor sie begonnen haben. Doch das fühlt sich für ein egoman-schlichtes Gehirn, wie es den fiebernden Erdball zu Milliarden bewohnt und quält, natürlich ganz anders an. Kaum hat sich das Jahresrad wieder zu drehen begonnen, treiben uns die apokalyptischen Nachrichten aus allen Himmelsrichtungen tiefste Sorgenfalten in die noch vom Weihnachtsbraten aufgepolsterten Stirnen – wie soll das bloss alles weitergehen? Gar nicht, zumindest nicht mehr lange gut, graben wir uns doch seit Jahrtausenden unser eigenes schwarzes Loch…

Was also tun? Sich willenlos in Selbstmitleid ertränken? Nein, die einzige Lösung an einem nasskalten Winterabend Anfang Januar ist da ein Besuch eines der drei Konzerte der winterlichen Kurztour der phantastischen, morbid-dissonanten Klangzauberer von ALKALOID, natürlich bestenfalls schon des ersten Termins in Karlsruhe, „dieser wunderbaren Stadt der Musik“, wie Morean später feststellen soll. Und so warten bereits pünktlich vor dem heute-Journal diverse dunkel gekleidete Gestalten brav auf der frostignassen Strasse vor der „Stadtmitte“ auf Einlass, voller Hoffnung auf zumindest zeitweise mentale Erlösung von all dem Shit durch kräftiges Durchsaugen des sorgenvoll pulsierenden Frontalcortex per Dyson-Düse. Kaum sind die Türen offen, füllt sich der Laden schnell, wenn witterungsbedingt heute auch leider nicht bis in den letzten Winkel, und freudige Erwartung bringt die Atmosphäre bald zum Sirren. Das Konzert heute wird professionell aufgezeichnet werden, überall sind Kameras installiert, und so steigt auch bei den Musikanten der Puls so langsam an…

Zuerst entern jedoch im Gegensatz zu den erst 2012 gegründeten Extremproggern echte Veteranen des Tech/Death die Bühne, nämlich PROFANITY aus der Augsburg-/Münchner Gegend, aktiv seit 1993 und damit mitten in der Blütezeit des innovativen US-Death Metal entstanden, was auch heute durchaus noch durchschimmert.
Sogleich fällt das grosse Altersspektrum innerhalb des Quartetts auf, der jugendlich wirbelnde und dabei trotzdem jederzeit präzise Drummer Josef Beck könnte glatt als Sohn von Gitarrist und Gründungsmitglied Thomas Sartor durchgehen (man munkelt dass Josef an diesem Tag frueher aus der Schule rausmusste….), und der aerobische Gesangssport des Shouters Lukas Haidinger, für den Stillstehen offensichtlich unmöglich ist, lässt jeden Crossfitinstruktor neidisch werden.

Bei PROFANITY treffen Hochtempo, Brutalität, Groove und technische Akkuratesse aufeinander, und dieser Mix nimmt das neugierige Mehrgenerationen-Publikum schnell gefangen, die Nackenmuskeln werden geweckt und im Stakkato auf Betriebstemperatur gebracht, ungeachtet der Tatsache ob Haupthaar vorhanden ist oder nicht, und auch der Beifall wächst mit jedem Song, auch wenn sich die Band im Klaren ist, dass sie „gegen diesen Headliner sowieso keine Chance hat“. Das stimmt so nicht, sie haben an diesem Abend sicherlich neue Fans gefunden und Karlsruhe entlässt die Bayern schliesslich sogar mit Zugaben-Rufen, so dass sich in der Pause am Merchdesk eine veritable Schlange bildet. Mission absolut erfüllt!

Nach dem Umbau gehen schnell wieder die Lichter aus, der Jubel im Publikum schwillt an wie bei einer Stadiontour, und nun ist endlich Zeit für uralte kosmische Mythen, Top-Notch Forschung nicht nur in Quantenphysik, sowie bemerkenswerte naturwissenschaftliche Randphänomene – die Experimentalwissenschaftler von ALKALOID sind endlich wieder zurück aus dem Labor! Sie starten frisch und gleichzeitig eingegroovt ins neue Set, das kurz vor der Veröffentlichung des ‚Bach Out of Bounds‚-Livealbums am 23.01.2026 den Fokus auf die während des Bach-Projekts XL zusammen mit OrchestermusikerInnen aufgeführten ALKALOID-Stücke legt, alle dabei aufgenommenen kommen auch heute als Bandversion zur Aufführung, ergänzt durch Songs des 2023er Albums ‚Numen‘ sowie ein paar ältere Überraschungen. Aber von vorne!

‚Clusterfuck‘ ist ein perfekt groovender und sich langsam steigernder Einstieg, der uns auf das vorbereitet, was die extrem metallischen Bayern so einzigartig macht – die anscheinende Mühelosigkeit, mit der sie musikalische und harmonische Vielfalt und rhythmische Komplexität so scheinbar leichtfüssig verpacken, dass sie direkt ins Tanzbein gehen. Songs, die niemals vorhersehbar oder gar langweilig werden, weil sie so viele verschiedene Erzählebenen, Resonanzen und Oszillationen enthalten, und dazu kommt dann noch Moreans einzigartiger, von fiesesten Deathgrowls über Klarstimme bis hin zu Throat Singing reichender Gesangsstil, die er alle nahtlos ineinander übergehen lässt. Er ist das expressive Zentrum dieser fast zu bescheiden auftretenden Band, und bringt auch immer wieder den subtilen Humor des Quintetts rüber, das sich trotz seines „Supergroup-Status“ nie selbst zu ernst nimmt. Seine Musik und die dahinter liegenden Einflüsse aus allen möglichen Richtungen dagegen stets, und der heutige Auftritt gibt auch jedem einzelnen Akteur die Chance, mit seinen individuellen Stärken und Interessen – sprich: Soli – zu glänzen.

Münzner-Schüler und auch sein persönlicher Nachfolger bei ALKALOID Justin Hombach lässt dabei auf seine sonstigen Vorbilder schliessen, und Hannes Grossmann ist schon längst selbst eines, mit dem einige anwesende Schlagwerker nach dem Auftritt noch lange fachsimpeln werden. Mit ihm stets in enger Abstimmung ist Livegitarrist Max Blok mittlerweile eine feste Bank und ein Fels in der Brandung der Bandstruktur, und wenn der so introvertiert erscheinende Ausnahmebassist Linus Klausenitzer seinen wunderbar singenden (Fretless-) Bass ins Publikum hält, merkt man, dass auch er es faustdick hinter den Ohren hat. Eine Band, die gleichzeitig so in sich ruht und dabei solch unglaublich komplexe Kracher wie ‚Azagthoth‘ oder ‚Qliphosis‘ quasi aus dem Handgelenk raushaut, die gibt es kein zweites Mal – und der Spass, den sie dabei haben, all ihre Fähigkeiten nur im Sinne des Songs auszuspielen, macht eben auch den ZuhörerInnen extrem viel Freude.

So grooven wir uns gemeinsam nicht nur durch das erstmals live aufgeführte Titelstück des letzten Albums ‚Numen‘ oder das superevil ‚The Funghi from Yuggoth‘, wieder ein Longtrack, der die Welt der Alkaboys einmal ganz umrundet; wir bekommen sogar ‚Beneath the Sea‘, das lange Jahre auf dem Meeresgrund schlummernde Prequel zum göttlichen Banger ‚Cthulhu‘, auf dem Silbertablett serviert, zum ersten Mal sind die beiden zusammengehörenden Songs ausserhalb des Bachprojekts gemeinsam zu hören – ein Träumchen!

Das wunderbar melancholisch startende ‚A Fool’s Desire‘ erfreut das Herz, bevor der Lovecraftsche Slow Banger Fahrt ins All aufnimmt, und schliesslich kommt ganz überraschend sogar noch der erste ALKALOID-Song überhaupt, ‚Funeral for a Continent‘ vom Debüt ‚The Malkuth Grimoire‘, zum Vortrag, und zieht uns zeitlos dissonant hinab in tektonische Tiefen. Da ist es schon gut, wenn man gleich drei Gitarristen an Bord hat, die sich hier austoben können! Und eben auch eine lebhafte Alchemie zwischen allen Bandmitgliedern, denen auch kompositorisch freier Raum gelassen wird.

Doch jeder Auftritt hat irgendwann sein Ende, das verzückte Publikum spendet frenetischen Applaus, der den Anschein macht der Laden wäre knallvoll – es kommt eben doch auf die Energie an zwischen Band und Fans, das hat dieser Abend mal wieder deutlich gemacht. Natürlich lassen wir die Jungs nicht einfach ziehen, der Smashhit ‚Kernel Panic‘ vom Zweitling Liquid Anatomy‘ wird diesmal die Zugabe, die das Publikum jedoch immer noch nicht zufriedenstellen kann. Doch die Band hat noch zwei Auftritte und lange Fahrten an diesem Winterwochenende vor sich, so viel Ingwertee kann Morean gar nicht trinken um all das stimmlich durchzuhalten, und so werden sie vom enthusiastischen Publikum schliesslich doch entlassen, und man sieht sich hinterher am Merchstand wieder… um einen unvergesslichen Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.

Bandinfos:

ALKALOID sind eine so hochprogressive wie tiefenentspannte Extremmetal-Supergroup aus Bayern:
https://alkaloid-band.com/
https://www.facebook.com/alkaloid.metal
https://www.instagram.com/alkaloid_metal/

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PROFANITY kommen aus dem Raum Augsburg/München und sind eine Tech Death Band:
http://www.profanity.de
https://www.facebook.com/ProfanityDeathMetal
https://www.instagram.com/profanity_death_metal/


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