MYTHOSPHERE – Pathological

  • Veröffentlichung: 18.11.2022

  • Vertrieb: Cruz del Sur Music

  • Versionen: Digital, CD, Vinyl

Stil: Prog Rock, psychedelischer Doom & melodiebetonter Heavy Metal vielversprechend miteinander verbunden

Erstaunlich, nach SONJA’s Debüt schon die zweite Cruz Del Sur-Veröffentlichung auf dieser noch jungen und meist beinharten Seite, und abermals ein Debüt, woran liegt das bloss? Natürlich an der herausragenden Qualität und Originalität beider Bands, aber vor allem an der ewigen Liebe der Rezensentin zum klassischen Doom und Heavy Metal – nur zu episch oder gar pathetisch darf es nicht werden, doch das ist bei diesem neuen Ableger von PALE DIVINE/Ex-BEELZEFUZZ plus grandiosem Prog-Überraschungseffekt nicht zu befürchten, geht es doch stilsicher zurück in die goldenen Zeiten düsterer, schleppender Riffs. Zudem, wer seinen Erstling dem unlängst verstorbenen Doomvater Eric Wagner widmet, das müssen gute Menschen sein! Schauen wir uns das Ganze also einmal genauer an…

MYTHOSPHERE ist ein echter Glücksfall, für seine Mitglieder offenhörbar genauso wie für die Fans, haben sich mit der Gründung doch musikalische Schwergewichte aus der (Maryland-)Doom-Szene mit einem US-Metal-Ausnahmegitarristen zusammengefunden, die man in dieser Verbindung so nicht erwartet hätte, jedoch gerade durch ihre unterschiedlichen Hintergründe ein perfect match abgeben. Als BEELZEFUZZ 2019 sein Ende fand oder besser: erfolgreich in PALE DIVINE aufging, gab es von Dana Ortt und Darin McCloskey offenbar noch Material, das nicht in den neuen Bandkontext passte, was sie jedoch in einem neuen, anders ausgerichteten Projekt verwenden wollten. Und da kam dann FATES WARNING-Gründungsmitglied Victor Arduini mit ins Spiel.

Sein enorm vielfältiger und sehr individueller Stil, mal abwechslungsreich und heavy riffend, mal anspruchsvoll-verspielt, aber niemals selbstverliebt solierend, ist stets songdienlich, drängt sich nicht in den Vordergrund und gibt dem groovenden Doomfundament ein einzigartiges, haptisches Flair bei einem vielschichtigen Sound, der jedem einzelnen Akteur und Instrument seinen vollen Raum lässt, jeden Griff so deutlich abbildet als ob der Hörer mitten zwischen den Musikern sitzt und damit den unmittelbaren Charakter der Kompositionen noch verstärkt (man höre nur ‚Star Crossed’!!!) – live muss das ein wahrlich eindrückliches Erlebnis sein!

Arduini öffnet die schweren, geerdeten Riffs nach oben in kosmische Weiten, transzendiert gemeinsam mit Ortts unprätentiösem und eindringlichem Gesangsstil die Heavyness der Rhythmusgruppe in nachdenkliche, oft sehnsuchtsvolle Stimmungen und spielt mit Dynamik und Tempowechseln, ohne jemals den Groove zu verlieren, der Band und Hörer wie im Fluge durch diese 35 Minuten trägt, die beim nächsten Streich gerne deutlich verlängert werden dürfen. Man hört jede Sekunde, dass hier gestandene Szeneveteranen am Werk sind, die Band wirkt, obwohl in dieser Kombination noch so jung, extrem tight aufeinander eingespielt, die Kompositionen sind schlüssig, doch nie langweilig, sondern entwickeln ihren Charme durch unverhersehbare Wendungen, Tempowechsel und allerlei rhythmische Kapriolen. Die Idee, den bewährten, auf melodischer Heavyness und epischem Storytelling (‘Kings Call To Arms’) basierenden Stil mit dem entscheidenden neuen Quäntchen Progressivität und vielfarbig schillernder, gerne auch mal aus den bekannen Pfaden ausbrechender Spielfreude zu erweitern, geht voll auf und kombiniert das beste beider Welten auf ganz neue Weise. Da duettieren nicht nur die Gitarren, auch der Singstimme folgt die Leadgitarre in derselben Melodie und verstärkt damit ihren Ausdruck (‘No Halo’) und die immer wieder auftauchenden Akustikgitarren geben dem Sound nicht nur Vielschichtigkeit, sondern vor allem zusätzliche Tiefe und Wärme.

Auf der anderen Seite eint alle Protagonisten die Liebe zur spannenden Übergangsphase des 70er Hard- und Psychedelic Rocks in die Anfänge des Doom. So entführen wiederum ‚No Halo’ und ‘Pathological’ zunächst direkt ins Birmingham der 70er, das leichtfüssige Groovemonster ‚For No Other Eye’ geizt nicht mit trickreichen Spannungsaufbauten, wie wir sie zuletzt von KHEMMIS oder auch MASTODON hörten, und der Titeltrack ist die liedgewordene Eric Wagner / TROUBLE-Heldenverehrung mit dem speziellen Schuss WISHBONE ASH-Gitarrenharmonie, auch hier beeindruckt wieder die herausragend klare Produktion.

MYTHOSPHERE liefern damit das wohl erstaunlichste Debüt des Jahres im klassischen Heavy Metal/Doom, aber vor allem einen Lichtblick für die Zukunft des Genres ab, und machen Appetit auf weitere Erkundungen dieses Spannungsfeldes. Am meisten hoffe ich jedoch auf eine baldige Europatour dieses Quartetts. Not to be missed!

Bandinfo:

MYTHOSPHERE sind Dana Ortt (Vocals/Gitarre), Victor Arduini (Leadgitarre), Ron McGinnis (Bass) und Darin McCloskey (Drums).

https://mythosphere.bandcamp.com
https://www.facebook.com/mythosphereband

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