RUMOURS – The Lower We Sink, The Less We Care

  • Veröffentlichung: 06.05.2022

  • Vertrieb: Lupercalia Records

  • Versionen: Vinyl / CD / Digital

Stil: Skeleton Rock

Mit der wieder anlaufenden Tourmaschinerie wächst auch die Lust auf bier- und schweissgetränkte Gigs in kleinen, dunklen Clubs, bei denen man einfach nur abfeiern und die versinkende Welt für einen Abend vergessen kann. Dafür ist dreckiger, straighter Rock, zu dem sich genauso die Fäuste recken, mitschreien wie rhythmisch arschwackeln lässt, bestens geeignet, und so haben sich RUMOURS tatsächlich den perfekten Zeitpunkt für ihr Albumdebüt ausgesucht, das Livevibes quasi als Sonderausstattung schon eingebaut hat.

Benannt nach FLEETWOOD MACs Zeitenwendealbum und entstanden aus dem sächsischen DEATHRITE/PURGATORY/BLACK SALVATION-Umfeld, widmet sich das mit drei (…you know!) Gitarristen auflaufende Sextett einer todesdüsteren, aber gleichzeitig quicklebendigen Heavy Rock’n’Roll-Variante, die ich zuerst eher in Stockholm als in Dresden verortet hätte dank des TRIBULATION-Gothic-lastigen Openers ‚The Impetuous Glory Of Terror’ und natürlich  ihres verspielten, genauso verhallten wie warmen Sounds, den ihnen tatsächlich Martin „Konie“ Ehrenkrona im Studio Cobra verpasst hat, der sich jedoch grundsätzlich aus Inspiration, Selbstverständnis und den sich daraus entwickelnden Arrangements der Band ergibt. Denn hier geht es um deutlich mehr als ein paar Deathmetaller, die auch mal ein anders gestimmtes Vintage-Instrument in die Hand nehmen wollten, sondern um die Hinwendung an einen Musikstil, den es gefühlt schon immer gab, der im Untergrund nie ausstarb und von dort aus die schönsten schwarzen Blüten trieb: den harten Rock, der die E-Gitarre singen und zu uns sprechen, ja predigen lässt – von den Härten des Lebens, von schwarzen einsamen Stunden, unerfüllter Sehnsucht, und ja, auch vom Tod als endgültiger Erlösung.

Folgerichtig gaben RUMOURS das Mastering in die Hände von Pieter G. Kloos im The Void Studio Eindhoven, dem langjährigen Mentor derjenigen 3-Gitarren-Band, auf die sich das Sextett noch deutlicher beziehen als auf Schwedentod-Wurzeln: THE DEVIL’S BLOOD. Doch während Selim zeitlebens mit seinen inneren Dämonen kämpfte, haben RUMOURS diese Zerrissenheit überwunden, den Sinn der Sinnfreiheit akzeptiert und zum Plattentitel geschmiedet, und danach beschlossen die letzten Minuten auf den Gräbern tanzend zu verbringen und dabei zu singen: ‚The Lower We Sink, The Less We Care’.

Ihr knochentrockener Nihilismus eröffnet ihnen gleichzeitig  die Freiheit, sich stilistisch überall zu bedienen, sei es Classic Rock, Punk oder eine Spur NWoBHM, ohne dabei belanglos zu werden, ‘That Glimmer Of Freedom That People Call Death’ spricht mit seinen mehrstimmigen Gitarrenharmonien davon. ‚I Am The Midnight’ dagegen ist eine Wanderung auf dem Grat zwischen Rock’n’Roll und Psycho, sei es -billy oder -delic. Ist das hier ein Bläsersatz, oder hat das Chorgirl da ein Tamburin in der Hand? Rockabillys feiern mit Hippies eine Endzeit-Party, ob das in seiner heutigen Aktualität so vorausgesehen war oder nicht – es passt zu unserer Zeit und taugt allemal als Soundtrack zur Apokalypse.

Doch ihnen Oberflächlichkeit vorzuwerfen wäre falsch, dafür ist zu viel Tiefgang gerade im leidenschaftlichen, vielschichtigen Gesang Sebastian Beisserts und folgerichtig genauso in den Texten vorhanden, nachdenkliche Momente treffen auf ein desillusioniertes Lebensgefühl und resultieren in tiefer Melancholie (‚The Sky Is Comin’ Down Again’), aber auch wütender Auflehnung, die zweite Hälfte des Albums ist voll von Verzweiflung und trieft von vergossenem schwarzen Herzblut, vermischt mit Schlieren von BEASTMILK.

Die Songs werden länger und nuancenreicher, die einzelnen Akteure erhalten mehr Platz, die Arrangements machen Platz für Introspektion und Rückschau, eine Abrechnung mit dem eigenen Leben. Hat nicht doch etwas Sinn gemacht? Kann, muss man das unvermeidliche Ende einfach so hinnehmen? Fragen, die jede*r sich nur selbst beantworten kann. Aber RUMOURS nehmen uns dabei mit ‚ The Lower We Sink, The Less We Care’ freundschaftlich an die Hand – gemeinsam geht sich auch der letzte Weg einfacher. Gebt ihnen dafür ein Bier aus, und kauft vor allem dieses heilsame Album. Ihr werdet es noch brauchen.

Bandinfo:

RUMOURS sind: Sebastian Beissert – Vocals,  Andy Heinrich – Guitar,  Anton Hoyer – Guitar
, René Kögel – Guitar, Birger Schwidop – Bass, Jordi Farré – Drums

https://sruomur.bandcamp.com
https://www.facebook.com/sruomur
https://www.instagram.com/sruomur/

Diskographie:

Neither Innocent Nor Wavering (EP, 2020)
The Lower We Sink, The Less We Care (LP, 2022)

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